Wir stechen in See

Juhu wir haben ein Boot! Endlich sind wir angekommen im Club der stolzen Bootseigner und Hechtspringer! Ja liebe Eltern, Angehörige und Freunde, falls ihr uns sucht, wir sind dann jetzt am ankermanövern und arschbombenverfeinern… Soweit zumindest die Idee.

Da stand sie nun, unsere Khaleesi, stolz auf ihrem Thron. Hmm ganz schön schmutzig die gute und ja der alte Name „Luna Rossa“ mochte nicht so recht mit unseren Vorstellungen harmonieren. Es gab da schon recht viel rot am Boot, also eigentlich gibt es nur zwei Farben, Eierschale und blutrot. Das wollten wir ändern, nächstes Jahr dann. Erstmal das wirklich nötige machen und dann ab ins Wasser. Der ursprüngliche Plan sah folgendes vor:

– Deckenverkleidung im Salon abschrauben und schauen wo Klaus herkommt
– Klaus bekämpfen (Memo: Klaus ist ein Pilz der an der undichten Stelle wuchs)
– Handläufe neu eindichten.
– Handläufe mit Teaköl behandeln und hübsch machen
– Undichte Stellen abdichten, ggf. neue Persenningnippel setzen und eindichten
– Holz der Badeplattform anschleifen und mit Teaköl bearbeiten
– Halterung am Heck für das Aufhängen eines Hilfsaußenbordmotors montieren
– Öl und Kühlwasserwechsel am Motor
– Paddler der Rauwasserpumpe ersetzen
– Ölwanne unter Motor bauen
– Seeventile und Durchbrüche neu machen/ lassen
– Auspuffkonstruktion genau beäugen, fälliges ggf. gleich ersetzen (Schwanenhals?)
– Neuen Einbauort für zwei 110AH Marine Batterien installieren
– Elektrik komplett überarbeiten/ prüfen
– Falls nötig und wenn man da grade dran ist den Starter prüfen
– Bilgenpumpe gegen leistungsfähiges Pendant ersetzen
– Echolot und GPS Logge einbauen
– Lenzpumpe überprüfen
– Unterwasserschiff ausbessern/ die Blase am Bug bearbeiten
– Den hässlichen, roten Streifen unter dem Prallschutz gegen einen hübschen in schwarz ersetzen
– Wenn wir noch Geld haben sollten das Steuerrad und den Sitz gegen was hübsches austauschen oder letzteren zum Sattler bringen. 

– Das Boot ins Wasser bringen und liebhaben

Die Motorenteile waren bestellt, ebenso ein umfangreiches Elektrik-Paket und jede Menge Anti irgendwas und ein großes Sortiment an unterschiedlichsten Bootsreinigern und Polituren. Wir wollten unbedingt bald fertig werden, denn der Jahresurlaub nahte und der sollte zumindest zum Teil schon auf dem Wasser verbracht werden.. 

Am ersten Wochenende nach dem Kauf widmete ich mich den Wasserschäden und deren Ursachen und Schatzi dem Putzen des gesamten Boots. Leider haben wir hiervon nicht viele Bilder, da wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht daran dachten, dass daraus vielleicht mal ein Blog wird. Wie geschildert gab es zwei Stellen die nicht regendicht waren. Zum einen betraf dies den Salon an einer Verschraubung des Handlaufs und zum anderen drang am Backbordfenster der Achterkajüte Wasser ein. Die Ursachen waren schnell gefunden. Der Handlauf war schon recht angegriffen und rissig und wir wussten das wir da was machen müssen. Da auch ein Wasserfleck an der Decke zu beklagen war (neben Klaus), wollten wir auch das große Deckenpaneel entfernen um dieses überarbeiten zu können. Hier sollte sich zeigen, dass dazu bereits eine nahezu vollständige Demontage des ansonsten tollen Innenausbaus nötig gewesen wäre. 

Wir merkten so nach und nach das einfach nichts schnell von der Hand gehen wollte. 

Also widmeten wir uns vorerst einmal dem Abdichten von oben um keinen weiteren Schaden entsehen zu lassen. Was wir da im einzelnen gemacht haben werden wir im Refit Blog (Deck) veröffentlichen. Der Wassereinbruch im Achterschiff wurde durch einen (!!!) fehlenden Persenningnippel verursacht. Man hätte also mit einfachsten Mitteln eine Beschädigung des Holzes im Innenraum verhindern können. Hier war der erste Punkt unseres Unverständnisses erreicht, aber natürlich waren wir auch glücklich, dass es sich nur um kleine Ursachen mit großer Wirkung handelte. Wir hatten bereits gehört, dass es ein großes Problem darstellt Fensterdichtungen für Boote alter Baujahre zu bekommen.

Dieser Persenningnippel ist nicht regensicher, auch wenn er von der Persenning verdeckt wird.

 

Wir haben den fehlenden Nippel ersetzt, mit Sikaflex eingedichtet und diese Prozedur mit allen Nippeln wiederholt. Seither ist unser Boot absolut regendicht. Während der Arbeiten ist uns das nächste Ärgernis aufgefallen, was wir im selben Arbeitsgang behoben haben. Sämtliche Gewinde der Persenningnippel ragten im Achterschiff durch das Holz! Glücklicherweise etwas verdeckt von einem Überhang, aber diese Arbeit hätte ich nie im Leben abgenommen. Wir haben die Rechnung für die Persenning in unseren Unterlagen gefunden und mit rund EUR 2.900 war diese auch kein Schnäppchen und selbst wenn wäre dies kein Grund für schlampige Arbeit gewesen. Nach und nach sollten sich derartige „Kleinigkeiten“ wiederholen, ja auch diese von Fachfirmen verursachten. Ich möchte da jetzt nicht zu hart ins Gericht gehen, aber unser Eindruck von zahlreichen mit Rechnung belegten Arbeiten war mit der Zeit getrübt. Nicht zuletzt deshalb wuchs in uns das Bestreben so viel wie möglich selbst zu machen.

Hier auch ein schönes Beispiel für ein Wassereinfallstor, wo wir allerdings nicht sagen können ob es sich um Firmen oder Eignerpfusch handelt: 

 

Hätte der Monteur des Positionslichts nur eine Minute länger nachgedacht wäre er vielleicht darauf gekommen, dass es besser gewesen wäre das Kabel entweder unter der Laterne oder am besten dahinter durchzuführen und dieses mit einer wasserdichten Kabeldurchführung zu versehen. Nun ja, dieser Fehler ist ihm leider auch bei allen anderen Laternen nicht aufgefallen, besonders am Achterlicht nicht, da wurde das Kabel auf einer horizontalen Fläche vertikal durchgeführt und ebenfalls nicht fachgerecht (zumindest hoffe ich, dass dies nicht fachgerecht ist;)) eingedichtet. 

„Motz nicht so viel!“
„Ja Schatz!“

Wir sind also durch das Boot getaucht und haben unseren Plan verfolgt. Alle Deckel waren geöffnet und überall wurde gewienert, Löcher zugemacht und ab und zu über solche Kleinigkeiten geärgert. Irgendwie wurde es auch immer enger an Bord, die Pantry stand voll mit einer unglaublichen Armada an Reinigungsmitteln. Auf dem Boden stand ein Eimer mit Bleiche (der Versuch den Wasserschaden im Holz zu bearbeiten) und man musste sich bereits über diverse Müllsäcke hangeln um von einem Punkt zum nächsten zu gelangen.

Waberwaberquakwaberquak…
hat es aus dem Handy geschellt. Ein Griff zum Armaturenbrett und ups, der Müllsack und warum zum Geier kann ich mich nicht auf der Pantry… Platsch das Handy lag im Eimer mit der Bleiche.

Wer es noch nicht am Klingelton erkannt hat, ein iPhone, ein neues und noch nicht grade lang in meinem Besitz. Witzig,- da zeigt es doch tatsächlich folgendes an: „Dies ist kein original Zubehör“. Das war aber zum Glück das einzige was passiert ist. Das Handy hat überlebt, der Schreck hat gesessen und die Erkenntnis kam mit einem Schlag. Klarschiff machen war angezeigt! Daher kommt das also. Gar nicht so einfach sich auf so engem Raum zu bewegen und am besten noch zu zweit zu arbeiten.

Das Boot war sauber und im wesentlichen waren wir auf der Zielgeraden mit unserem „Schnellplan“. Was noch fehlte war die Sache mit dem Starter und die Seeventile. Letzteres war ein Wartespiel, irgendwie wollte keine Firma das so richtig machen. Entweder hörten wir von Woche zu Woche „schau ich mir nächste Woche an“ oder auch direkter „das möchten wir lieber nicht machen, bei so einem alten Boot bekommt man das ja nie wieder dicht..“. Wir hatten also auch noch etwas Zeit gewonnen uns den diversen Schrammen am Freibord zu widmen und uns um den neuen Namen zu kümmern. Grade als wir letzten schonmal zum Test ranhielten kam die nächste Entdeckung. Die Kleinigkeiten hatten sich bereits summiert, wir waren den ein oder anderen Kompromiss eingegangen und nun sollte die Planänderung eingeläutet werden. 

Das könnt Ihr hier lesen: Ernüchterung