Ein Boot!

ThinkBubble2 Sommer 2014, ein Tag bei 35° und überfüllten Stränden an der Berliner Havel. Ein neidvoller Blick auf die vorbeiziehenden und ankernden Boote. Berlin ist eine Wasserstadt, soviel steht fest. Schon ein schöner Gedanke, selbst ein Boot zu besitzen und nicht am überfüllten Strand um die gerade wieder freigewordenen 2,5 Quadratmeter kämpfen zu müssen. Ja so ein Hechtsprung von der Badeplattform ins kühle Nass… Das wäre es jetzt! Dazu das Gefühl von Freiheit, die Möglichkeit, mal kurz auszusteigen… So wie in unseren vergangenen Campingurlauben… Warum eigentlich nicht aufs Wasser?

Der Blick ging zu meiner Lebensgefährtin: „Wir brauchen ein Boot…“

Der Traum vom eigenen Boot war geboren. Wir stürzten uns sofort in die Suche auf den hiesigen Bootsmärkten und im Internet. Massenhaft Angebote. Größtenteils unerschwinglich, oft Schrott, teilweise realistisch. Doch halt, was sollte es eigentlich für ein Boot sein? Am besten so ähnlich wie die Wohnmobile, die wir bislang für unsere Urlaube gemietet hatten, nicht zu groß und nicht zu klein, ohne Schnickschnack aber mit der nötigen Ausstattung, um einfach auch mal ein Wochenende „weg“ zu sein. Den Motorbootführerschein hatten wir beide schon. Die Eckpunkte waren gesetzt:

– Motorboot aus GFK weil wir das am ehesten selbst reparieren können (… wie wahr)
– Nasszelle mit WC (möglichst mit Tür)
– bequeme Schlafmöglichkeit für mindestens zwei Personen
– Pantry zum Kaffee kochen und Essen machen

Nach längerer Suche und mehreren Bootsbesichtigungen mit teilweise erstaunlichen Verkäuferaussagen („Das ist keine Osmose… Das ist nur…“… Der Satz wurde mit der Beschreibung eines Osmoseschadens beendet) wurden wir schließlich hier in Berlin fündig. Seit April 2015 sind wir nun Eigentümer einer norwegischen Myra 25: Wunderschön, Mitte 30 (ebenso wie ihre neuen Eigentümer) und leider in den letzten Jahren nicht mit der Fürsorge behandelt, die sie verdient hätte. „Stolze“ Eigentümer waren wir nur sehr kurz, denn mit dem Kauf der alten Dame sollte für uns ein „Leidensweg“ beginnen, der immer länger wurde. Im Nachhinein könnte man es fast als Omen werten, dass wir den Kaufvertrag am Karfreitag unterschrieben haben…  Jedenfalls ist aus dem ursprünglichen Plan, noch 2015 mit unserer „Khaleesi“ die Berliner Gewässer unsicher zu machen, der Plan zur nahezu vollständigen Restauration des Bootes (Refit) geworden.

 

Warum nun dieser Blog?

„Aus Erfahrung wird man klug…“

Weil wir grün hinter den Ohren waren und an bestimmte Dinge anders herangegangen wären, wenn wir eine Quelle wie diese hier gehabt hätten. In den letzten Monaten mussten wir uns mal mehr, mal weniger freiwillig in nahezu alle Baustellen einarbeiten, die ein altes Boot so mit sich bringen kann: Motor, Elektrik, Borddurchbrüche, GFK-Reparaturen, Pantry-Ausbau, Aufhübschen und last but not least das böse O-Wort… Osmose. Wir haben uns nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen an einem bestimmten Punkt entschieden, die Sachen, die man mit etwas handwerklichem Geschick selber machen kann, auch selber zu machen. Und so haben wir neben trial and error recherchiert, gelesen, Videos geschaut, gelesen, uns an Foren beteiligt, gelesen, Leute aus der Bootsbranche befragt, gelesen usw. Uns ist dabei – das sei in dieser Deutlichkeit gesagt – sehr viel Halbwissen, Geldschneiderei, Unprofessionalität, Dummschwätzertum und Tinnef begegnet. Klare Antworten auf klare Fragen gibt es selten. Aber wir hatten auch echte Lichtblicke: Nette Kontakte, durch und durch solide Produkte und handfeste Beratung.

Leider brechen die meisten Refit-Threads in Foren irgendwann mittendrin ab oder beschränken sich auf Vorher-Nachher-Darstellungen. Wir möchten mit unserem Blog unseren gesamten Weg darstellen, die Lichtblicke und die Tiefschläge, aus welchen Gründen wir uns für welchen Weg entschieden haben, wie man mit dem unvermeidlichen Frust umgeht und was uns geholfen hat.

Wir nehmen für uns nicht in Anspruch, den Stein der Weisen gefunden zu haben, meinen aber mittlerweile zumindest an einem Punkt angekommen zu sein, an dem man uns kein X mehr für ein U vormachen kann. Wir freuen uns, wenn einerseits diejenigen, die selbst mit dem Kauf eines alten Bootes liebäugeln oder gerade in einem größeren oder kleineren Restaurationsprojekt stecken, mit den Informationen auf dieser Seite ein bisschen was anfangen können. Wir hoffen außerdem, über diesen Blog noch weiter zu lernen und freuen uns daher auf Eure Kommentare und Anregungen.

Also dann, wir lesen uns!

Jens und Alexandra