Die alten kommen raus

Gemeint sind natürlich die Borddurchlässe ;). Vorweg erstmal die Antwort auf die Frage „warum wollt Ihr das überhaupt machen?“. Also mit Borddurchlässen ist das so eine Sache. Gehen sie kaputt hat man ein riesiges Loch im Boot durch welches ziemlich viel Wasser eindringen kann. Das passiert sogar relativ häufig und diesen Alptraum wollten wir uns ersparen. Es ist Usus Borddurchlässe ca. alle 10 Jahre komplett zu wechseln. Das liegt daran, dass wie wir wissen kein Material einer dauerhaften Belastung durch Wasser gewachsen ist. Rotguss (Messing und Bronze) neigen zum Auszinken, weshalb es spröde wird. Edelstahl zeigt Schwächen im Salzwasser und kann als gegossene Variante ebenfalls korrodieren und brechen (passiert auch gar nicht mal so selten). Weiterhin waren bei uns Schieber (wie man sie von alten Heizungen kennt) verbaut. Wir wollten Kugelhähne weil die einfach komfortabler sind und man immer sieht ob sie auf oder zu sind. Bei den Schiebern muss man sich immer merken, dass entgegengesetzt des Uhrzeigersinns „auf“ heißt. 

Das kann schonmal verwirrend sein 😉 Ein weiterer Anlass für den Ausbau war das unsere Schieber auch nicht mehr sonderlich vertrauenserweckend aussahen. Die gesamte Konstruktion sah eher aus wie von einem Heizungsbauer gemacht. Dafür sprach auch die Tatsache dass die Durchbrüche allesamt mit normalem Silikon eingedichtet waren. Die Hähne hätte man auch nicht ohne den kompletten Austausch der Durchlässe abschrauben können, da überall 90° Winkel verbaut waren. Außerdem müssen wir eh auf großer Fläche das GelCoat entfernen und da sind sie auch im Weg. Also weg damit! 

Dieses Bild zeigte sich an allen Seeventilen (WC Spülung, WC Auslass, Rauwassereinlass):

Die alten kommen raus

 

Man sieht keine Verschraubung. Also an der Stelle muss ich sagen, dass der Spaßvogel der die Dinger eingebaut hat entweder nie daran gedacht hat die je wieder ausbauen zu müssen, oder es gab hier wirklich ein Problem mit der Dichtigkeit. Alle unter der Wasserlinie befindlichen Borddurchlässe waren verschraubt und wurden nachträglich dick einlaminiert. 

Besonders unter dem WC stand wenig Platz zum Arbeiten mit schwererem Gerät zur Verfügung und da kurzen Prozess mit der Flex zu machen war ebenfalls keine Option. Ich habe folgende Werkzeuge eingesetzt:

1.) Fein Multimaster
2.) Flex Winkelschleifer
3.) Dremel
4.) Einen massiven Schraubendreher
5.) Einen Schlosserhammer

Es sollte sich wiederum zeigen, dass auch diese Arbeit nicht schnell zu erledigen ist. Okay, ich habe nebenher diverse andere Sachen gemacht, z.B. die Wassertankstelle mit dem Kiosk begutachtet, oder informative Gespräche mit unserem Makler geführt 😉 Kurz ich habe je Borddurchlass ca. einen Nachmittag gekämpft. Fiese kleine Dinger, vor allem wenn sie so eingebaut sind wie diese hier. Als erstes wurde mit dem Multimaster die Laminierung rings um den Durchlass aufgeschnitten. Da wo kein Platz zur Verfügung stand kam stattdessen der Dremel zum Einsatz:

Die alten kommen raus

 

Dann habe ich den Rand des Durchlasses von außen mit der Flex und Schrubbscheibe weggeschliffen. Man kann das auch mit einer Trennscheibe machen, allerdings baut man sich damit auch schnell tiefe Riefen im Rumpf ein wenn man mal abrutscht. Die grobe Schleifscheibe (40er) braucht nicht wesentlich länger, aber es lässt sich sauberer mit ihr arbeiten:

Die alten kommen raus

 

Dieses Vorgehen hat sich ziemlich gut bewährt. Wären die Durchlässe nicht auch noch dick einlaminiert gewesen, hätte man diese jetzt leicht mit o.g. Schraubendreher und Hammer nach innen schlagen können. Ich musste zuvor aber den Durchbruch lösen. Ich habe dazu eine Verlängerung aus dem Knarrenkasten in das Seeventil gesteckt und ihn dann solange bearbeitet bis er sich drehen ließ. Jetzt konnte er relativ leicht nach innen durchgeschlagen werden. Beim Rauwasserventil war es etwas aufwändiger, da hier von außen der Korb das Abschleifen verhinderte. Da der gesamte Durchbruch aber mit etwas Luft zur Bordwand verbaut wurde bzw. ich das Silikon am Stück herausziehen konnte, war genug Platz vorhanden um diesen mit dem Fein Multimaster abschneiden zu können: 

Die alten kommen raus

 

Alle übrigen, über der Wasserlinie liegenden Borddurchlässe konnten einfach abgeschraubt und von innen durchgesteckt werden. Hier wurde ebenfalls mit Silikon gedichtet was über die Jahre jegliche Festigkeit verloren hat. Bei der Gelegenheit wurde auch gleich der alter unterwasser liegende Auspuff entfernt. Hier wurde sehr großzügig mit Silikon gearbeitet! Der Auspuff passte nicht in seine Bordöffnung. Er war ca. 1cm vom Durchmesser zu klein. Der Zwischenraum wurde mit Silikon aufgefüllt. Wer das gemacht hat, hatte schlicht Gottvertrauen:

Die alten kommen raus

 

Auch hier hat sich übrigens mein Spachtel bewährt. Mit ihm habe ich den Durchlass ausgehebelt. Sie haben alle verloren:

Die alten kommen raus