Osmoseschäden einschätzen

Wie begutachtet man jetzt die Schwere eines Osmoseschadens?

Das ist zumindest zum Teil auch in den hier erwähnten Quellen genannt. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass man entweder Osmoseschäden hat, oder eben nicht. In jedem Fall sind diese ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass etwas am Unterwasserschiff nicht mehr, oder noch nie funktioniert hat. Häufig werden nur die Schäden, aber nicht die Ursache behoben. 

Ich habe mir bei unserem Boot ein Bild über die Menge der sichtbaren Schäden gemacht. Im Ergebnis finden sich am Achterschiff und am Bug versprengte Blasen, eher verdeckte Hohlräume von 1-3mm. Das beläuft sich in diesen Bereichen auf etwa 10 Stück pro Quadratmeter, mal mehr mal weniger. Tiefgehende Schäden, die sich dann auch deutlich als ca 2- 3cm messende Blasen gezeigt haben gab es an 3- 4 Stellen des Unterwasserschiffs. Eine davon hat entweder eine größere Delamination (ca. 15 X 15cm) der ersten Lagen bis etwa 1mm Tiefe, oder sie wurde durch einen Verarbeitungsfehler (zu trocken laminiert) in diesem Bereich verursacht. Die Bilder hierzu könnt Ihr im Beitrag „Osmose entzaubern“ sehen.

Die bislang freigelegten Stellen zeigen dieses Bild:

Osmoseschäden einschätzen

 

Hier streiten sich nun die Gelehrten. Die einen sagen „das sieht aber trocken aus“, die anderen „da ist die Osmose schon lange am Werk“ und wieder andere sagen, dass es doch ganz gut aussieht.

Ich finde das alles richtig. Ich stelle fest, dass die Feinschicht (das ist die direkt hinter dem GelCoat liegende) recht trocken aussieht. Entweder ist das dem Osmoseprozess geschuldet, oder es wurde bereits ab Werk sehr trocken laminiert wofür dieses Bild spricht:

 

Osmoseschäden einschätzen

 

Nun ist die Aussage zu trocken laminiert auch ziemlich relativ. Es ist ja die hohe Schule einem Verbundwerkstoff eben genau das richtige Verhältnis aus Trägermaterial (Glasgelege/ Gewebe) und Binder (Harz) zu verpassen. Ich habe daher auch eine Stelle am Wasserpass freigelegt, da kann man schön den Unterschied zwischen Bereich unter und überwasser vergleichen:

 

Osmoseschäden einschätzen

 

Damit war klar, dass das nicht vom Erbauer zu trocken laminiert wurde und wir hier tatsächlich die Folgen langen Wasserwirkens sehen. Die richtig schlimmen Osmoseschäden hätten nicht mehr lange auf sich warten lassen und es muss jetzt gehandelt werden. Zur Qualität des Materials kann man hier nur Mutmaßen. Die Norweger sind ja bekannt für ihre soliden Bauweisen und auch in unserem Schiff finden sich teils Wandstärken von mehr als 25mm massiven GFK`s. 

Fakt ist das alles was lose ist, oder verdächtig nach Blase aussieht, entfernt bzw. geöffnet werden muss um sich ein Bild machen zu können, auch wenn es wehtut. Ich habe immer wieder einen Adrenalinkick bekommen wenn Schatzi folgende Geräusche verursacht hat:

„Hab was gefunden!!!“
und im nächsten Moment
Quaatschknirks…. karuntsch..

 

Nebenan konnte ich einen anderen in Restauration befindlichen Osmoseschaden begutachten. Hierbei handelt es sich um einen kleineren Jollenkreuzer, der bereits eine fehlgeschlagene Osmosesanierung erfahren hat. Ich habe die Gelegenheit genutzt und da mal dem Nachbarn über die Schulter geschaut, da dieser grade das UW Schiff großzügig mit dem GelPlane Hobel abgezogen hat. Meines Erachtens sind die Probleme hier tiefliegender, da man in den tieferen Lagen des Laminats größere Lufteinschlüsse ausmachen kann. In diesem Fall scheint bereits beim Laminieren des Rumpfs einiges schiefgegangen zu sein. Diese Blasen sind die Stellen die später Probleme machen, sofern Wasser ins Laminat eindringen kann. Ansonsten habe ich dabei gesehen, dass die Arbeit mit dem GelPlane zwar sehr schnell geht, aber dieser auch seine Spuren hinterlässt die hinterher auch wieder glattgeschliffen werden wollen. Hier das Bild dazu:  

 

Osmoseschäden einschätzen

 

Soviel zu den sichtbaren Schäden.

Was man ausserdem wissen muss ist, wieviel Wasser der Rumpf bereits aufgenommen hat. Hierzu steht uns ein Messgerät (GMK210 von Greisinger, wozu ich noch etwas in der Werkzeugkategorie schreiben werde) zur Verfügung. Man weiß, dass Polyestergelege bis zu 60% ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen können (wenn man sich das obige Bild ansieht weiß man denke ich auch warum).

Das Messgerät misst die elektrische Kapazitivität und gibt den Feuchtegehalt in % an. Hält man sich das Gerät an die Hand zeigt es ziemlich zuverlässig 105% an. Somit hat man schonmal in etwa einen Anhaltspunkt was mir dieses Gerät eigentlich sagen will. Man kann zwischen zwei Messtiefen, 10 und 25mm, wählen. 

Was man tut ist Vergleichsmessuungen anzustellen. Man sucht sich mehrere Stellen am Boot die trocken sein müssen, z.B. am Freibord aus und vergleicht die dortigen Werte mit den gemessenen am Unterwasserschiff.

Vor der Verwendung ist „RTFM“ angesagt, da eine Fehlbedienung zu falschen Messergebnissen führt (z.B. nicht kalibriert, Metall oder Kohlefaser im Material, dahinterliegender Wassertank etc.).

Am Freibord liegen wir bei 0,9 bis 1,5%. Am Unterwasserschiff bewegen wir uns im Rahmen von 1,9% am Bug und bis zu 6% an den Bereichen wo bereits Osmoseschäden sichtbar geworden sind. 

Im direkten Vergleich mit anderen Fällen die mir im Internet so begegnet sind, ist unsere Feststellung noch relativ harmlos. Da gibt es Fälle von großen Osmoseblasen über den gesamten Rumpf verteilt, dicht an dicht und mit Feuchtemessungen jenseits der 20%, so hab ich mir das jedenfalls schöngeredet. 😉

Derartiges würde ich nicht selbst sanieren und ich würde sagen, dass wir uns noch im Bereich „mit noch vertretbarem Aufwand selbst zu machen“ bewegen.

Eines ist aber auch bei uns angezeigt. Das GelCoat ist hin und muss ab! Dadurch können erst weitere Schäden, die jetzt noch nicht sichtbar sind, ausgemacht werden. Weiterhin wird die Trocknung des Laminats beschleunigt.

Hier sind wir noch in der Werkzeugfindungsphase, es hat sich aber bereits abgezeichnet, dass sich ein Sanierungsschleifer als geeignet erweisen könnte und der Test mit der Lackfräse steht ja auch noch aus.